Gemeinde

„caring community“

Pfarrerin Eva-Maria Kaplick berichtet von einer Denkwerkstatt 60+ bei der man sich Gedanken über die Angebote im Stadtteil gemacht hat, – vor Beginn der Corona-Krise.

Wir haben festgestellt:
1. Wir wünschen uns zwangloses Kaffeetrinken, sportliche Veranstaltungen, Informationen übers Älterwerden und was es leichter macht. Dabei nehmen wir gar nicht wahr, dass es das meiste schon gibt. Beim Seniorennetzwerk, im Kulturladen, den Kirchengemeinden. Wir wissen nur nichts davon.
Wir haben uns gefragt: Wie können Informationen gesammelt und an den Mann bzw. die Frau gebracht werden?
2. Die meisten Menschen gehen nicht gerne alleine zu Veranstaltungen. Es bräuchte eine Art Netzwerk, durch das man sich verabreden kann. Zum Kaffeetrinken in den Kulturladen zu gehen, zu den Gemeindefesten der Kirchengemeinden, zu sportlichen Angeboten….ins Theater oder einfach nur für eine Runde durch den Faberpark.

Ein Gedanken hat uns sehr eingeleuchtet:
Die Grundlage menschlichen Zusammenlebens ist eine zweifache –und doch eine einzige – der Wunsch jedes Menschen, von den anderen als das bestätigt zu werden, was er ist, oder sogar als das, was er werden kann; und die angeborene Fähigkeit des Menschen, seine Mitmenschen in dieser Weise zu bestätigen. (Martin Buber )

In Kirche und Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang von „Caring Communities“ die Rede. Sorgende Gemeinschaften – sind sie die Zukunft der kirchlichen Altersarbeit?

Man kann das Sorgen in vier Richtungen denken:
1. Ich für mich:

Für viele der Älteren ist es ungewohnt, an sich zu denken. In dem Satz aus der Bibel » Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du« steckt die Weisheit, dass die Liebe zu sich selbst genauso wichtig ist wie die zum andern.

2. Ich mit anderen für mich:

»mit sich selbst befreundet sein« bedeutet zu prüfen, ob man lieber alleine oder mit anderen arbeitet. Der Rückhalt einer Gruppe kann von Zeit zu Zeit hilfreich sein.

3. Ich mit anderen für andere:

Verletzlichkeit ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der zweiten Lebenshälfte. Vielleicht will man aus dieser Erfahrung heraus auch anderen eine helfende Hand reichen.

4. Andere mit anderen für mich:

Beim Geben und Nehmen gibt es – gerne »vergessen« – auch ein Nehmen. Bürgerschaftlich Engagierte verändern diese Gesellschaft in Richtung auf mehr Solidarität – und werden hoffentlich auch von dieser Solidarität getragen.

Haben Sie Lust, mit uns weiterzudenken? Sobald es die Korona-Krise erlaubt, informieren wir Sie über einen weiteren „Denk-Termin“.                                    

Eva-Maria Kaplick, Pfarrerin