Gemeinde

Gute Gedanken in schwierigen Zeiten

-Texte von Eva-Maria Kaplick, Sigrid Klever und Armin Langmann

24.12.2020 Weihnachts-Ansprache von Pfarrerin Eva-Maria Kaplick

Josef und Maria hatten sich das ganz anders vorgestellt. Sie wollten noch eine Weile verlobt bleiben, dann heiraten und dann Kinder bekommen. Es kam anders. Eine ungewollte Schwangerschaft. Aber das ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Aber ungeplant war sie auf alle Fälle. Nachdem Gott 2000 Jahre und länger versucht hatte, Kontakt mit den Menschen aufzunehmen, was mehr schlecht als recht gelungen ist, wollte er selbst auf die Erde kommen. Als ganz normaler Mensch. Und dazu musste er ganz normal geboren werden. Und hierfür hatte er sich Maria ausgesucht. Ein Engel versuchte es ihr zu erklären, und sie ließ sich auf das Abenteuer ein.
Auch Josef brauchte sozusagen Nachhilfe durch einen Engel, bevor er sich mit der Situation anfreunden konnte.
Wir kennen das, dass vieles ganz anders ist, als wir es uns vorgestellt hatten. Dieses Jahr hat uns ganz schön viel Neues zugemutet. Ich glaube, die meisten von uns hätten lieber ein ganz normales Jahr gehabt. Aber es kam einfach anders.
Maria hat sich Unterstützung gesucht bei der Herausforderung ihres Lebens. Sie ging zu Elisabeth, einer entfernten Verwandten.
Vielleicht haben Sie ja in den vergangenen Monaten ähnlich gehandelt und sich Unterstützung geholt und vermehrt telefoniert oder indem Sie mit einem anderen Menschen spazieren gegangen sind. Es ist gut, eine Liste von Kontakten zu haben für den Fall, dass einem droht, die Decke auf den Kopf zu fallen. Über die Weihnachtstage ist die Telefonseelsorge erreichbar. Außerdem gibt es eine Hotline der Nürnberger Pfarrerinnen und Pfarrer: 214 1414.
Die ungeplante Schwangerschaft war nicht die einzige Herausforderung für Maria und Josef. Wenn man bzw. frau das erste Kind bekommt, dann ist es unglaublich beruhigend, wenn die Umgebung möglichst optimal ist. In Nazareth gab es bestimmt eine Hebamme und Frauen, die Maria beigestanden hätten. Sie wäre in vertrauter Umgebung gewesen, die hygienischen Verhältnisse relativ gut. Aber sie mussten ja nach Betlehem. Hochschwanger eine mehrtägige Reise, zu Fuß oder bestenfalls auf einem Esel. Und dann sah es fast so aus, als müsste Maria ihr Kind auf der Straße bekommen. Alles anders als gedacht.

Manchmal werde ich grummelig, wenn ich ständig mit Sachen konfrontiert werde, die mir zu schaffen machen und mit denen ich irgendwie zurechtkommen muss.
Manchmal hätte ich es gern ein wenig leichter. Vielleicht kennen Sie das ja auch.
Ich merke, wie es mich tröstet, dass es Maria und Josef ähnlich gegangen ist. Kaum hatten sie sich mit dem einen Problem arrangiert bzw. die Schwangerschaft akzeptiert und waren sprichwörtlich guter Hoffnung, dann kommt schon das nächste Problem: Die Reise. Sie haben keine Wahl und machen sich auf den Weg.
So wie wir mit der Pandemie. Wir haben keine Wahl, unser Weg führt gerade mittendurch. Gehen wir weiter Schritt für Schritt. Wir sind sozusagen in guter Gesellschaft mit Maria und Josef und dem noch ungeborenen Jesus. Vielleicht hilft es, wenn wir uns diese Weggenossen bildlich vorstellen, wie sie uns begleiten, einander unser Leid klagen und dann wieder Mut zusprechen. Z.B. so: Maria oder einer von uns sagt: Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Ich gehe keinen Schritt weiter. Josef oder ein anderer sagt: Komm, ich stütze dich. Ich sing dir was vor. Dahinten das könnte unser Ziel sein. Ich bin da. Ich lass dich nicht allein.

Was ich toll finde an Josef ist, dass er nicht locker lässt bis er einen geschützten Raum findet für Mutter und Kind. Die Herbergsuche – Thema vieler Krippenspiele, weil es so zu Herzen geht. Kein Platz für eine Frau, die kurz davor ist, ein Kind zur Welt zu bringen – auf der menschlichen Ebene. Und auf der vertikalen Ebene denke ich: Auf was hat Gott sich da eingelassen, als er beschloss, Mensch zu werden. Das fing ja gut an! Kein Platz, wo er zur Welt kommen kann. Was für ein Bild!

Dieser tapfere Josef sucht und fragt, bis sich etwas findet. Ein geschützter Raum für das Kind, das geboren wird. Wenigstens am Anfang seines Lebens soll Jesus nicht Wind und Wetter, wilden Tieren und neugierigen oder gar feindseligen Blicken ausgeliefert sein. Wenigstens am Anfang geborgen, behütet und gewärmt.
Gott selbst in diesem Kind. Ich stelle mir vor, wie ich dieses Kind anschaue da in der Krippe. Und mir wird’s ganz warm ums Herz. Es rührt mich an, dieses kleine Kind, wie es so daliegt, in Windeln gewickelt. Kaum, dass es die Augen öffnet. Es lächelt in sich hinein. Eigentlich ist es noch ganz weit weg. Gerade erst auf diese Welt herausgepresst. Ungefragt, wie alle Kinder. Mit einem ersten Atemzug, mit einem ersten Schrei hier angekommen. Schutzbedürftig noch lange Zeit. Das nächste Problem deutet sich an: der Herrscher, der hier das Sagen hat, wird den Kleinen in seiner Nähe nicht dulden? Herodes fürchtet, dieses Kind könnte ihm gefährlich werden. Und so liegt für diese jungen Familie bereits Gefahr in der Luft. Gerade auf die Welt gestürzt, schon in die Flucht geschlagen? Da bin ich froh, dass Jesus hier erst einmal ankommen kann. Dass er- zumindest vorübergehend – ein Zuhause gefunden hat und Liebe und Wärme. Der Herr der Welt.
Die MystikerInnen sagen: Gott ist immer noch auf Herbergssuche. Er sucht einen Ort, wo er geboren werden kann. Heute. Jetzt. Bieten wir diesem Kind, dem Herrn der Welt, ein Zuhause. Bieten wir ihm unser Herz an. Dass er einziehen kann bei uns, der König der Ehre. Und wir froh werden, dieses Kind in uns zu wiegen. Er selbst will uns Frieden schenken und Geborgenheit. In den Krisen unseres Lebens und für immer!
Amen. So soll es sein.

24.12. Andacht zuhause

von Diakonin Christina Höpfner

hier ist der Weihnachtslink

22.12.2020 Stationen für den Weg nach „Weihnachten zuhause“

  1. Du machst Dich auf den Weg nach Bethlehem und kommst am Feld vorbei, wo die Hirten am Lagerfeuer sitzen. Ihre Schafe sind in der Nacht eingesperrt. Sie reden über Politik, Nachwuchs und schöne Frauen. Am liebsten wären sie aber zuhause bei ihren Familien. Doch sie müssen arbeiten und Geld verdienen. Viele Probleme müssen noch gelöst werden, bis sie in der Nacht einmal freihaben werden. Die Angst vor neuem Krieg, neuen Soldaten und anderen Herrschaften will nicht verschwinden. So gerne würden sie sich nicht mehr fürchten, alle Probleme vergessen und einfach in Frieden leben.
  2. Wie die Hirten kommst Du an den Ort, wo das Kind von Maria und Josef geboren ist. Sie haben keinen Kinderwagen, darum legt Maria das Jesus-Baby in die Futterkrippe zum Schlafen. „Wir nennen ihn „Jesus“, sagt sie zu Josef. Das bedeutet: „Gott hilft immer!“ Josef war noch etwas mürrisch, weil es danach zunächst eben nicht ausgesehen hat: Musste das wirklich sein, eine Reise mit einer hoch-schwangeren Frau, eine Geburt in einer absolut fremden Stadt – wo er doch keine Ahnung vom Kinderkriegen hatte. Ein Gottvertrauen wie Maria hatte er sich immer gewünscht. Was für ein Glück war es, dass der Bauer sie im Schuppen neben dem Stall übernachten ließ und ihnen sogar Milch und Brot schenkte! War es ein Zufall, dass die Stadt den seltsamen Namen trug: Bethlehem, übersetzt:“Brothausen“. Hier gibt es ein „Heim“ und „Brot“ für alle, selbst für ihren kleinen Jesus.
  3. Das Kind bekommt hohen Besuch. Es ist die Zeit, als Jupiter und Saturn sich nahe kommen. Experten, Wissenschaftler reisen an, Doch nicht das seltene Schauspiel am Himmel, sondern ein neu geborenes Kind gewinnt ihre Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sie bringen wertvolle Geschenke mit, während die örtliche Prominenz das Zeichen des Himmels und die Bedeutung des Heilsbringers nicht erkennt.

19. 12.2020 „Fröhliche Weihnachten“ von Pfarrerin Eva-Maria Kaplick


Advent und Weihnachten in diesem Jahr ganz anders: Wenig persönliche Kontakte, keine Kulturveranstaltungen, manche gehen aus Vorsicht nicht in den Gottesdienst. Und wer doch geht, darf nicht singen.
Ich habe den ersten Lockdown ganz gut verkraftet. Aber jetzt bin ich genervt, und meine Stimmung ist eher trübe. Wie geht es Ihnen mit der ganzen Situation? Gerne können Sie mich anrufen, eine Mail oder einen Brief schreiben. Was bleibt uns in diesen Tagen und Wochen?


Zu Hause dürfen wir die Advents- und Weihnachtslieder nicht nur hören, sondern so laut singen, wie wir wollen. Ich habe gemerkt, dass es meine Stimmung schon hebt, wenn ich die alten vertrauten Lieder höre. Noch intensiver ist es, wenn ich mitsinge oder alleine singe. Das, was in mir ist, an Angst und Sorgen und Stress findet seinen Weg nach draußen. Ich fühle mich geerdet und gleichzeitig verbunden mit dem Himmel – vielleicht sogar mit den himmlischen Engelschören, die die Hirten so berührt haben. Wenn wir singen, sind wir verbunden mit allen, die vor uns diese Lieder gesungen haben und wir spüren etwas von der Freude, die sie ausgelöst haben oder wie sie getröstet haben. Durch die Musik wird unser Herz berührt. Und wenn uns dabei Tränen kommen, dann reinigen sie unsere Seele, und wir können nach einer Weile wieder befreit durchatmen.
Wir können die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium Kapitel 2 lesen. Entweder in der eigenen Bibel oder dem aktuellen Gemeindebrief. Und sie auf uns wirken lassen. Sie ist einfach eine wunderbare Geschichte und wirkt durch ihre Schönheit. Wir können uns hineinfallen lassen in die Worte und die Erfahrungen der Menschen von damals und sozusagen andocken an etwas, was größer als wir selbst. Und größer als die Pandemie und alles, was uns sonst noch Sorgen macht. Etwas, was Halt gibt und trägt.
Auch im Leben von Maria und Josef ist alles ins Wanken geraten. Gleichzeitig wurden sie immer wieder überrascht, wie es weiterging und doch gut wurde.
Schließlich habe ich mir vorgenommen, die einfachen Dinge neu zu entdecken und wertzuschätzen, denn Jesus ist ja auch unter ganz einfachen Bedingungen zur Welt gekommen: Eine Kerze anzünden und ein paar Minuten still davor sitzen. Mir vorstellen, wie das Licht mein Herz hell und warm werden lässt. Wenn es schneit – einer Schneeflocke zuschauen bis sie schmilzt. Bei einem Abendspaziergang den Sternenhimmel betrachten. Am Heiligen Abend werde ich mit den Kindern wieder Kerzen anzünden für die Menschen, mit denen wir verbunden sind auch über den Tod hinaus und für die, die nicht da sein können. Und aussprechen, was wir an ihnen schätzen bzw. geschätzt haben.
Weihnachtskarten können wir schreiben für ferne und nahe liebe Menschen. Die alte Schulfreundin, zu der wir schon lange keinen Kontakt hatten oder dem Nachbarn, der immer freundlich grüßt beim Vorbeigehen.

Was fällt Ihnen ein, was Ihnen hilft, mutig durch diese Tage zu gehen?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie etwas spüren vom Geheimnis und der Freude von Weihnachten und grüße Sie herzlich
Fröhliche Weihnachten🌲 Ihre Pfarrerin Eva-Maria Kaplick

13.12.2020 3. Advent

zu den biblischen Gestalten der Vorweihnachtszeit gehört unverzichtbar Johannes der Täufer, ein Mahner und Rufer, der nach der Darstellung der Evangelien Jesus voranging. Unsere Vorstellung von ihm ist vielleicht vom Maler des Isenheimer Altars oder dem Nürnberger Meister-Holzschnitzer geprägt, dem wir den Johannes aus der St. Johannis-Kirche verdanken. Beide haben sich ganz an der biblischen Beschreibung orientiert. Sie zeigen Johannes als asketischen Typ, ausgemergelt, provozierend gekleidet nach dem Vorbild alttestamentlicher Propheten, nicht nach den Modemachern Lagerfeld und Boss.
Eine auffallende Person: Den Körper nur in ein stinkendes Kamelfell gehüllt, um die Hüfte einen ledernen Gürtel. Ein Vorbild der Veganer, auch in der Ernährung nach Alternativen greifend. Haar und Bart ungeschoren, wie bei Männern, die ein Gelübde abgelegt hatten. So stellen wir uns Johannes vor. Einen Typen, der nur selten in eine Stadt kam, der irgendwo am Rand der Wüste hauste. Nach neueren Forschungen ein Sympathisant der Essener, mit einem radikalen Schwarz-Weiß Weltbild, einer der sich der völligen Kompromisslosigkeit verschrieben hatte, der eher sterben wollte, als von seinem Standpunkt abzuweichen. Und was wollte er? Lesen Sie selbst. (AL)

Ich füge noch eine herzlichen Dank an:

Für alle freien Austrägerbezirke wurde neue Helfer/innen gefunden!

Wie schön!

6.12.2020 2. Adventssonntag: Wenn Gott kommt...

Im Alten Testament stellte man sich das, wenn Gott kommt, zunächst vor, wie ein Naturereignis: einen Sturm, ein Erdbeben, einen Vulkanausbruch, oder eine heiße Quelle. Dann meinte man, wenn Gott kommt, dann muss es zugehen, so ähnlich, wie wenn ein König kommt.
Eines der beeindruckendsten Beispiele finden wir im 1. Buch der Könige, Kapitel 10. Dort wird berichtet, wie die Königin von Saba – damals die mächtigste Frau Südarabiens – den König Salomo in Jerusalem besuchte. Sehr gute wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen bestanden ohnehin schon zwischen ihnen. Doch als sie tatsächlich selbst mit viel Prunk in Jerusalem auftaucht, übertrifft das alle Erwartungen. Der König Salomo spielt dieses Spiel natürlich gerne mit. Auch er hat sich herausgeputzt und empfängt sie mit dem schönsten denkbaren, möglichen Szenario, so dass sie vor Staunen ganz entzückt und ruft: „Gelobt sei der Herr, dein Gott, der dich auf den Thron Israels gesetzt hat…!“

Das Staunen über Salomos reizenden hohen Besuch, seinen Glauben, das Blitzen und Funkeln von Schmuck, die Anziehungskraft feiner Seidenstoffe und der Geruch von Kräutern und Parfüm haben Georg Friedrich Händel zu einer großartigen musikalischen Komposition des Einzugs der Königin von Saba inspiriert. Im Klang von Trompeten und Posaunen, Orgel und Pauken, und im Blitzen der Instrumente hört und sieht man das Staunen über dieses Ereignis. Alle Zeichen stehen auf Ankunft. –

Aber die Vorstellung vom Kommen Gottes ändert sich noch einmal in der Darstellung des Weihnachtsevangeliums. Da kommt Gott selbst auf die Welt, auf die Erde. Er wird hineingeboren in diese Welt. Wo Jesus ist, ist der Himmel offen, ist Gott nahe, nicht mehr oben, nicht mehr weit weg, sondern mitten unter uns.

2.12.2020 Advent

Die vier Adventssonntag sind seit langem von der kirchlichen Tradition gestaltet. Interessant ist dabei, welche Themen dabei bestimmend sind:

z.B. dass Jesus nach Jerusalem geht und wie ein königlicher Herrscher empfangen wird –

doch dann wird ein Bogen geschlagen vom damals ins heute. Man soll sich vorstellen, dass er nicht nur damals nach Jerusalem gekommen ist, sondern dass er auch heute zu uns kommen will.

Damit wird ein neues Thema angesprochen: Sind wir denn darauf vorbereitet? Wären wir denn bereit, ihn bei uns einzulassen? Würden wir ihn willkommen heißen und ihm die Türe öffnen, wenn er bei uns klingeln würde?

Die Kirche hat die vier Wochen seit alter Zeit, wie die 7 Wochen vor Ostern als Bedenk und Bußzeit erklärt, um diese Bereitschaft zu bewirken.

Dass es dabei nicht nur um äußerliche Dinge geht, sondern um ein inners Ja, wird uns dann schnell klar, wenn die zweite Kerze angezündet wird.

15.11.2020 Gedanken zum Abschied

Jesus hat seinen Freunden beim Abschied Mut gemacht:
„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Ich gebe euch nicht, was die Welt gibt. Geht den Weg des Friedens und fürchtet euch nicht, denn ich bin alle Tage bei euch!“

Wenn wir von einem vertrauten und geliebten Menschen Abschied nehmen, fällt uns ein, was wir gemeinsam erlebt haben. Wir denken an Stationen und Ziele des Lebens. Man fährt in Gedanken noch einmal die Straße des Lebens entlang, erinnert sich z.B. an die Großglockner-Hochalpenstraße, den Vierwaldstätter oder den Millstädter See. Man erinnert sich, wo man so schön essen, Kaffee trinken und baden konnte, -kurz was dieses Leben wertvoll, schön, erfüllt, glücklich und einzigartig gemacht hat.

Wir spüren dabei: Leben ist viel mehr als Kilometer zurück zu legen. Das Bergauf und Bergab der Straßen lässt uns immer wieder nach dem Sinn und nach dem warum fragen. Dann sehen wir vor uns, wie der Mensch seiner Arbeit nachgeht. Ausdauernd, zuverlässig, anpackend, zuverlässig und erfolgreich. Z.B. Wir sehen, wie unterschiedlich Menschen sich neuen Herausforderungen stellen: wenn Probleme gelöst werden müssen, wenn es Geduld und Geschick braucht, oder bestimmte Werkzeuge.

Wir wissen, was für ein schönes Gefühl es ist, wenn man sich nach getaner Arbeit hinsetzen kann zur Brotzeit, zum Sonntagsessen oder zu einem Familienfest.

Manchmal zünden wir eine Kerze an. In manchen Häusern gibt es über der Eckbank einen Herrgottswinkel, der ausdrückt: „Hab keine Sorgen, ich bin auch noch da!“

Solche Symbole sind heute aus der technisierten Welt weitgehend verschwunden. Die Gefahren des Lebens, den Hunger, die Krankheit und den Krieg will man mit technischen Mitteln in den Griff bekommen. Zwar heißt es noch in der Bibel: Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, dann sind’s 80 Jahre“ – so liegt unsere Lebenserwartung doch schon deutlich darüber. Viele gehen davon aus, dass nach dem Eintritt in den Ruhestand noch 1 Drittel des Lebens folgt.

Und doch – so weit die Medizin heute ist – können wir nicht darüber verfügen. Ein guter Freund, der schwer erkrankt war, fasste seine Überzeugung in zwei Sätzen zusammen: „Ich muss gehen, wenn Gott mich ruft. – Aber erst dann!“

Jesus machte seinen Freunden beim Abschied Mut:
„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden. Ich gebe euch nicht, was die Welt gibt. Geht den Weg des Friedens und fürchtet euch nicht, denn ich bin alle Tage bei euch!“ Amen. (AL)

13.11.2020 Die dritte Sonderausgabe des Gemeindebriefs Zentrum ist zum Abholen bereit!

Und es gibt Schönes zu berichten: Tatsächlich wurde mein Begleitbrief zur letzten Ausgabe gelesen! Und: jemand fühlte sich angesprochen – und ist zu unserem Team dazugestoßen.

Doch wir suchen immer noch Helfer/innen zum Austragen!

Wenn Sie – wie ich – der Meinung sind: „Team“ bedeutet nicht: „Toll, ein andrer machts!“ dann melden Sie sich bitte im Pfarramt!

Ihr Pfarrer Armin Langmann

4.10.2020 Erntedankfest

Seit langer Zeit der erste Gottesdienst, in dem unter besonderen Bedingungen Abendmahl gefeiert wird. Freiwillig und unter Beachtung der Infektionsschutz- und Hygieneregeln.

17. Juli 2020: Sondernummer des Zentrums für August/September 2020 erschienen

Wie geht es Dir/Ihnen? fragen wir, wenn wir einander begegnen. Die Antworten reichen von sehr gut bis richtig schlecht. Man erfährt Freudiges und Schweres. Mit dem Gemeindebrief ist es ähnlich. Der Blick schweift in die Zukunft, richtet sich auf die Gegenwart oder dankbar zurück. Unter dem Einruck der Pandemie hatten wir die 2. Ausgabe 2020 des Zentrums ausgesetzt und mehrere Briefe an die älteren und ältesten Gemeindemitglieder geschrieben. Die mittlere und jüngere Generation – so nahmen wir an – würden aktuelle Informationen selbst auf unserer Homepage www.nikodemuskirche-nbg.de finden. Viele haben angerufen oder geschrieben, was sie derzeit bewegt. Das hat deutlich gemacht, dass persönlicher Kontakt das Allerwichtigste ist. Bei über 5000 Gemeindemitgliedern allerdings eine Mammut-Aufgabe für 5 Ansprechpartner/innen. Unter diesen Eindrücken ist die 3. Ausgabe des Zentrums wieder zur Verteilung an alle ca. 4.200 evangelischen Haushalte entstanden. Wir möchten in Kontakt bleiben, Formen finden, wie es weitergehen kann, zum Austausch und zur Beteiligung anregen. Wir freuen uns über Ihre Reaktion, per Brief oder E-Mail, Ihren Anruf, Zuspruch und Kritik, Interesse und Unterstützung. Sie helfen uns mit einer Rückmeldung, was Ihnen am „Zentrum“ wichtig ist und auch mit einer Spende als Druckkostenbeteiligung. Bleiben Sie behütet! Ihr Pfarrer Armin Langmann

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15. Juli 2020 Gedankenimpulse in Corona-Zeiten
von Pfarrerin Sigrid Klever


Liebe Gemeinde,
ich möchte zwei Dinge herausgreifen, die ich nicht nur in diesen Corona-Zeiten, sondern insgesamt als heilsam empfinde in schwierigen Zeiten.

Das eine ist das Weinen. Es ist in unserer Kultur unüblich zu weinen. Selbst bei Beerdigungen haben Menschen Scheu, ihrem Kummer öffentlich Ausdruck zu verleihen. Immer wieder höre ich, dass Menschen nicht zum Gottesdienst kommen, weil sie da sofort weinen müssten. Schlimmer ist es aber noch, wenn Menschen gar nicht weinen können. Nicht umsonst gibt es in der katholischen Liturgie die Bitte um Tränen. Wenn Tränen fließen können, dann kommt etwas in Bewegung, dann kann der Kummer herausfließen. Tränen lösen und reinigen. Manchmal müssen wir lange und viel weinen bis ein Schmerz oder Kummer sich aufgelöst hat und
leichter wird. In unseren Tränen kann die Untröstlichkeit, aber auch schon das Aufscheinen eines Trostes enthalten sein. In der Bibel gibt es ein wunderschönes Psalmwort 56,9: „Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie.“

Der Beter des Psalms weiß und vertraut darauf, dass sein Weinen nicht ungehört oder ungesehen bleibt. Er vertraut darauf, dass all unser Weinen nicht umsonst oder vergeblich ist. Gott ist jede einzelne Träne so wichtig, dass er sie in seinem Krug sammelt und zählt. Die Tränen sind Gott
kostbar, jede einzelne. Und wenn wir sie Gott anvertrauen
und überlassen, dann kann er sie verwandeln, in Trost, in Licht im Dunkeln, in Zuversicht und neue Hoffnung. „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ Psalm 126, 5.
Das andere ist die Dankbarkeit. Gerade, wenn es uns nicht so gut geht, verlieren wir manchmal aus dem Blick, wofür wir trotz alledem immer noch dankbar sein können. Und seien es ganz kleine Dinge. Es gibt eine kleine Geschichte dazu „Die Alte und die Bohnen“:

Es war einmal eine sehr alte, weise Frau. Sie hatte ein
recht beschwerliches Leben. Jeden Morgen bevor sie ihr Tagwerk begann, legte sie sich eine Kittelschürze um. Dann ging sie in ihre Speisekammer und nahm eine Handvoll Bohnen aus dem Sack. Diese steckte sie sich in die rechte Tasche ihrer Schürze. Wann immer ihr im Laufe des Tages etwas Schönes begegnete, das Lächeln eines Kindes, der Gesang eines Vogels, der Klang einer Klangschale, ein Mitmensch, der ihr eine Freundlichkeit erwies, der Duft einer schönen Tasse Kaffee, ein Sonnenstrahl, der ihr Gesicht traf oder ein schattiger Platz in der Mittagshitze – kurz gesagt für alles, was ihr Herz und ihre Sinne erfreute, ließ sie eine Bohne von der rechten in die linke Schürzentasche wandern. Am Abend, bevor sie sich schlafen legte, nahm sie die Bohnen aus der linken Tasche der Kittelschürze. So betrachtete sie, was ihr an diesem Tage Schönes widerfahren war. Bei
jeder einzelnen Bohne wusste sie noch genau, was ihre Freude ausgelöst hatte. Und wenn sich auch nur ein einziges Böhnchen in ihrer linken Schürzentasche befand, dann war es für sie ein Tag, an dem es sich gelohnt hatte, zu leben. In der Bibel heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Psalm 103, 2
Herzlich,
Ihre Pfarrerin Sigrid Klever

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https://musikfest-ion.de/musikfest-ion/nah-bei-dir.html

Das sollten Sie nicht versäumen: Musikfest-ion.de

https://www.facebook.com/Sebalduskirche/videos/289332102217562/

https://www.youtube.com/watch?v=FU8GjGplaBw&feature=emb_err_woyt

Das Programm des Musikfests wird in angepasster Form durchgeführt. Wie, das können Sie von Moritz Puschke, dem Künstlerischen Leiter, persönlich erfahren! Klicken Sie einfach auf den obigen Link. Dort finden Sie das ganze Programm und eine Einführung, die es einem schwer macht, sich an diesen Terminen noch etwas anderes vorzunehmen!

Es beginnt am Samstag, 27.6., St. Sebald, 19 Uhr

https://musikfest-ion.de/musikfest-ion/nah-bei-dir.htmlhttps:

Festgottesdienst in St. Lorenz am Sonntag 28.6.2020

//www.youtube.com/watch?v=FU8GjGplaBw&feature=emb_err_woyt

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10.5.2020 Sonntag Kantate

Ob man von einander weiß, hängt davon ab, ob man sich mitteilt. Aktuell erfahren wir, wie wichtig es ist, Menschen zu kennen, mit denen einen Vertrauen verbindet, die man anrufen, mit denen man reden kann.

Meine Vorstellung von Kirche war immer, dass Kirche nicht vereinnahmen darf. Sie soll nicht aufdringlich, aber offen sein: für alle, die mit Herz und Verstand dabei sein möchten; für die, die in Ruhe gelassen werden wollen und für die, die Ansprache und Austausch brauchen; für die, die diskutieren wollen und für die, die meditieren möchten, für die, die keine Fragen haben und für die, die nie genug erfahren können; für die, die Gemeinschaft suchen und für die, die gut selbst zurechtkommen, für die, die gern organisieren und Programm machen, und für die, die sich gern anschließen und dran hängen und mittun. Aktuell finde ich, es wäre gut, dass wir als Kirche zu einer Gemeinschaft werden, die sich gegenseitig unterstützt. Menschen mit denen man im Vertrauen sprechen kann, angesichts von Besorgnis und Ängsten um seine Lieben, Verwandten, Bekannten, Nachbarn, Berufskolleg/innen, Schulfreunde/innen, tatsächlich und womöglich Betroffene von Krankheit, Verlust, Trennung. Im Blick auch auf die vielen, die im Krankenhaus, Altenheim und Kindergarten tätig sind, Ärztinnen und Ärzte, Sanitäter, die helfen, trotz der Gefahr, angesteckt zu werden.

An diesem Sonntag Kantate singen wir in unserer Kirche hinter Masken, mit gedämpfter Stimme. Aber die Glocken singen vom Kirchturm ihre vertraute Melodie. Immer wenn unsere Glocken läuten, ist es für mich ein Zeichen der Verbundenheit und ich denke an Sie und alle, die hier im Stadtteil in der Gemeinde mit uns leben.„Möge Gott uns behüten! Tag und Nacht halte er uns in seiner Hand!
Jedes Läuten der Glocken bestärke unsre Zuversicht, dass er bei uns ist, mit seiner Liebe und mit seinem Segen!“

23.4.2020 Erinnerung an den 23.4.1530!

Unmittelbar zu Gott –verantwortlich in der Welt

Martin Luther kam sich bestimmt sehr seltsam vor, als er sich am 23. April 1530 noch vor 4.00 Uhr in der Frühe auf die Veste Coburg begeben musste, – damit niemand mitbekam, wo er sich aufhielt. Alle anderen Teilnehmer seiner Reisegruppe – darunter der Kurfürst von Sachsen, dessen Sohn, der Hof, aber auch Luthers Mitarbeiter und Freunde wie Philipp Melanchthon, Justus Jonas und Georg Spalatin reisten weiter Richtung Augsburg, wo der Reichstag beginnen sollte.

Luther hatte gehofft – wie 1521 nach Worms – mit ihnen reisen zu können. Doch der vom Kaiser Geächtete musste in sächsischen Landen zurückbleiben. Nicht einmal die evangelische Reichsstadt Nürnberg hatte es gewagt, ihm Aufenthalt zu gewähren. Die Räte des Kaisers hatten den Nürnbergern klargemacht, dass der Kaiser es sehr ungnädig aufnehmen würde, wenn sie sich in der Religionssache zu stark engagierten. Deswegen lehnte man die Bitte des sächsischen Kurfürsten, Luther in den Mauern der Stadt aufzunehmen, damit man leichter Kontakt mit ihm vom Ort des Reichstages aus halten konnte, kategorisch ab.

So kommt er sich versteckt vor wie auf der Wartburg und unterzeichnet seine Briefe mit „aus der Wüste Gruboc“ oder „ex eremo“, aus der“ Einsamkeit“, aus dem „Elend“ – und bringt damit zum Ausdruck, wie er sich fühlt. Er ist ein Mann ohne Rechte. Zeitlebens bleibt er vor Kaiser und Kirche ein Ausgeschlossener. Er ängstet sich um seine Mitarbeiter. Die Distanz, die sie trennt, lässt ihn bange werden: Werden sie alles bestehen und überwinden? Luther macht sich Sorgen, meint, selbst nach Augsburg kommen zu müssen, um den Freunden beizustehen.

In dieser Lage wird ihm bewusst, in der Gegenwart des Herrn über Leben und Tod zu stehen, – unmittelbar vor Gott. Da ändert sich seine Stimmung. Die Angst des Zurückgelassenen wird abgelöst von der Zuversicht des Getrösteten. Sein Kurfürst schreibt ihm, der Kaiser wolle alle evangelischen Predigten verbieten. Er antwortet, man möge dem Kaiser gehorchen, Gott werde davon nicht aufgehalten. Auf menschliche Aktivitäten allein komme es nicht an. Er wisse, dass Jesus Christus bei ihnen sei, dies sei viel wesentlicher.

Als Melanchthon nicht mehr aus noch ein weiß, schreibt Luther ihm Trostbriefe. Wirf deine Sorge auf den Herrn! (Ps 55,23), „Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen“. (Ps 34,19. Ps 145,18) Man könne nicht auf die Fürbitte der Heiligen vertrauen, da sie von der Bibel nicht bezeugt werde. Entscheidend sei das Wort Gottes und das Vertrauen auf Christus. „Was Gottes Wort nicht ist, das macht auch keine Christenheit.“ Ein Christ habe sich nicht nach einer Kirche zu richten, die neue Gesetze des Glaubens erlasse, sondern solle sich an Gottes Wort als Richtschnur halten.

Die Angst in der äußeren Entfernung von den Freunden kann aktiv durch innere Nähe überbrückt werden. Das wäre ein neues Wesensmerkmal von Gemeinde: Gemeinschaft, die niemanden allein zurücklässt und damit Raum schafft für den Frieden Gottes und Hoffnung weckt. Aus der Unmittelbarkeit zu Gott erwächst die Einsicht der Verantwortung in der Welt, unmittelbar tätig zu werden und Einfluss zu nehmen.

(Zusammenfassung des gleichnamigen Vortrags von Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Müller, Wolfenbüttel auf der 5. Tagung der 6. Generalsynode  der VELKD in Coburg 1983 – von Armin Langmann.)

19.4.2020 Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kindlein vertrauen

Musikalische Grüße aus der Frauenkirche Dresden

Was für mich zum Sonntag gehört

So viel Stille, wie in den letzten 4 Wochen gab es gefühlt noch nie. In keinem Urlaub habe ich die Vögel so lebensfroh zwitschern hören und die Sonnenstrahlen so belebend gespürt – ohne dafür Hunderte oder gar Tausende von Kilometern fahren zu müssen.

Die Musik der Natur hat ihr eigenes Programm. Da gibt es die Frühaufsteher und die Spät-zu-Bett-Geher, wie bei uns Menschen auch. Dankbar höre ich ihr Konzert.

Musik gehört für mich zum Gottesdienst. Und Gottesdienst ist mehr, als 60 Minuten in der Kirche. Gottesdienst – meint Paulus – ist dann, wenn man sich für andere einsetzt und seine Arbeit macht. Nicht Selbstinszenierung, sondern da sein für jemanden. (Römer 12)

Gebet gehört für mich zum Gottesdienst. – Und es wird immer mehr sein, als eine Stunde pro Woche. Von Martin Luther kann man lernen, dass Gott den Raum des Kirchengebäudes nicht braucht, um meine Anliegen wahrzunehmen. Er braucht auch keine zwischengeschalteten Verstärker oder Umwandler – ähnlich den Routern und Switches in der EDV. Er hat unsere Nummer ständig freigeschaltet. Wir dürfen immer unmittelbar zu ihm sprechen, – mit ihm reden, nachdenken, Klärungen suchen. Aber er lässt uns nicht aus der Verantwortung. Gebet schafft Vertrauen und bestärkt das Tun. Es ist immer Übung und Probe des Glaubens (Friedrich Mildenberger).

Kirche ist nicht Selbstzweck und Selbstbeschäftigung. Wenn sie nicht für andere da ist, verfehlt sie ihre Bestimmung.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer Armin Langmann

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Sehen Sie hier die Video-Botschaft zu Ostern aus der Nikodemuskirche von Pfarrerin Eva-Maria Kaplick

Ostern 2020: Kraft aus der Stille – lesenswerte Gedanken von Heribert Prantl

12.04.2020 Osternacht und Ostersonntag

Die geschlossene Altarseite erinnert an eine Stadt,
in der die Lichter ausgegangen sind.
Andeutungsweise kann man noch Häuser und Gehöfte erkennen,
Blocks, wo Menschen leben,
wo sie am Tag und bis in die Nacht gearbeitet, gefeiert,
geliebt, getanzt und gelacht haben;
Orte, über die sich die Stille gebreitet hat,
als das Licht ausging.
Ohne Licht erinnert sie an den Friedhof;
die schlafende Stadt.
Ohne Licht, ohne Strom,
ohne Leben ist sie eine tote Stadt.
Ohne Glaube und Hoffnung,
ohne den lebendigen Christus ist selbst die Kirche tote Kirche.

Doch über diesem Dunkel liegen die scharfen Konturen
des hellen Kreuzes.
Heilendes Licht.
Silber und Gold, Farben des Heils, des Wohls,
wo alles gut ist.

Darüber gelegt, unzerstört, unvergänglich;
Das helle Kreuz ist der Kontrast, der alles
in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Wo das Kreuz leuchtet, ist für das Dunkle kein Platz mehr.

Das Licht vertreibt die Albträume, die der Tod geschickt hat.
Wie die Schöpfungsgeschichte am Anfang Mut zum Glauben macht,
will auch die Geschichte der Auferstehung Mut zum Glauben machen.

Mit naturwissenschaftlichen Erklärungen ist sie nicht zu packen, auch nicht zu zerschlagen. Sie meditiert gewissermaßen in eine Dimension, in eine Wirklichkeit, die Glauben weckt.

Als die Frauen am Grab ankommen, ist alles anders.
Sie finden den Toten nicht.
Der Stein ist weggerückt.
Die Grabwächter sind gelähmt.
Sie haben den entscheidenden Augenblick verpasst.
Die Engel sind nicht im Himmel, sondern auf der Erde.
Die Sprachlosigkeit wird durchbrochen.
Ein Bote richtet ihnen aus:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier er ist auferstanden.
Geht hin und schaut, wo er gelegen hat
und dann geht los und verkündet es den Brüdern.

Das Grab ist leer und der Himmel ist offen.
Gott lebt.
Christus ist auferstanden.
Die Macht des Todes ist aufgebrochen.

Das Kreuz leuchtet, als wollte es sagen:
Schau,  was dahinter ist!
Das Zeichen des Todes wird zum Symbol des Lebens!
Christus ist das Licht.(AL 2020)

Die Osterkerze wird entzündet

Sehen Sie hierzu die Video-Botschaft von Pfarrerin Eva-Maria Kaplick

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11.04.2020 Karsamstag

Es ist ganz still um die Kirche. Als die Glocken am Karfreitag läuteten, war es, als wollten sie sagen: „Lebe! Gott behütet dich auf deinem Weg ins Leben. Immer wieder klangen die Glocken, als wir in die Schule kamen und konfirmiert wurden, bei der Hochzeit, bei der Taufe der Kinder, als wollten sie immer wieder sagen: „Hab keine Angst! Gott behütet Dich!“

Was und wie wir beten, glauben und hoffen wird in diesen Tagen plötzlich genauso relevant, wie die Frage, was wir tun können.

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Denn er hat seinen Engeln befohlen über Dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

„Mein Gott, du kennst mich. Ob ich gehe oder liege, du siehst mich. Ob ich wache oder schlafe, du kennst alle meine Wege. Ob ich beunruhigt bin oder ganz zufrieden, du bist immer da. Das tut mir gut. Du stürzt mich nicht in Todesangst. Du hältst mein Leben in deiner Hand. Deine Liebe lässt mich atmen und schenkt mir Geborgenheit. Bei dir bin ich geborgen, wie das Vöglein im Nest – auch in unruhigen Nächten und an rastlosen Tagen. Du bist immer bei mir! Deine Liebe hört nie auf. Selbst wenn ich sterbe, bin ich bei Dir geborgen.“ (Nach Psalm 139)

9.4.2020 Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer

und Musik des Global Accordion Project Orchestra – Peace 2020

Der 9. April ist der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Über ihn gibt es inzwischen viele Artikel, Bücher, Filmbeiträge, Internationale Symposien und Forschungsstellen. Einige seiner Texte sind in viele Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt bekannt.

Hätte er damals nicht allen Grund gehabt zu formulieren:

„Von bösen Mächten Tag und Nacht umgeben,
befürchte ich, dass es noch schlimmer kommt!
Was hab ich noch von meinem schönen Leben?
Ohnmächtig warte ich, dass meine Stunde kommt.“

Nach allem, was Bonhoeffer geschrieben hat, hat man das Bild eines realistischen, gebildeten, reflektierten Mannes vor Augen, keinen Phantast oder Schwärmer, der Schaden und Nutzen, gut und böse nicht unterscheiden könnte. Seine Einstellung formuliert er angesichts einer vor Nichts Halt machenden Brutalität des Menschen.
Seine Worte überspielen nicht den Ernst des Lebens, als sei doch alles gar nicht so schlimm.

Und:
dass Geborgenheit Kraft gibt,
das wünschen wir in diesen Tagen
allen Menschen auf der Welt.
Kraft zum Tragen und Hoffen.
Kraft, die dem Tod das Leben nicht
ohne Widerstand überlässt.
Kraft zu unterscheiden zwischen
Widerstand und Ergebung. (AL)

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Got ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag“ (EG 637, Refrain)



7.4.2020 Ostern. Nicht dabei – und doch dabei

In diesen Tagen sprechen mich die Worte des Johannes-Evangeliums besonders an. Der Weg Jesu nimmt uns mit auf die Suche nach dem Leben. Nach wahrem Leben, nach „lebendigem“ Wasser. Von der Hochzeit in Kana bis zum Kreuz geht es um dieses Thema.

Johannes charakterisiert Thomas, den Jünger, der an den entscheidenden Begegnungen nicht dabei war. Thomas ist der, der Fragen stellt und deshalb nur „der Zweifler“ genannt wird. Für ihn gibt es keine Auferstehung. Standhaft sagt er zu seinen Freunden: „Wenn ich ihn nicht mit meinen eigenen Augen sehe und mit meinen eigenen Händen spüre und anfasse, dann glaube ich nicht, dass er lebt!“
Wir wissen nicht, wie es genau geschehen ist. Wir wissen nicht, wie das war, als Thomas die Stimme Jesu hörte: „Mach’s doch! Berühre mich und glaube dann!“ – Ein Zeichen? Ein Wunder?

Thomas, der „Zweifler“ spricht als erster aus, was zukünftig den Glauben ausmachen wird (Joh. 20,28): „Mein Herr und mein Gott!“ –
Die Vorstellung vom Sterben und Auferstehen wirft viele Fragen auf. Vor allem aber zeigt sie Jesus in einer Situation, mit der alle Menschen irgendwann konfrontiert sind. „Weil du gesehen hast, hast du angefangen zu glauben. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Das Ringen um Sehen und Verstehen ist das eine, das Entdecken und Vertrauen das andere. In Zeiten, in denen wir um des Lebens willen Abstand halten und von Berührungen absehen, fragen wir umso mehr, was uns berührt und betrifft, was uns Kraft gibt und ermutigt, mit- und füreinander zu kämpfen und zu hoffen. Der kompakteste Ausdruck dafür ist der Name Gottes „Ich bin bei Dir!“ und die Antwort des Glaubens „Mein Herr und mein Gott.“ – An Ostern geht es um Suchen und Finden, um das, was uns berührt, um die Öffnung des Grabes, um die Oster-Erfahrung der Wahrheit auf dem Weg unseres Lebens. (AL)

John Rutter: Der Herr segne Dich

3.4.2020 Karfreitag – mit Fern-Seh-Beteiligung

Können geschlossene Kirchen noch Orte zum Hören und Sehen, Orte zum Nachdenken und Besinnen sein? Orte, an denen man eine neue Sicht auf das Vergangene,, auf das aktuell Erlebte und auf das, was vor uns liegt, gewinnt, wie am Ziel einer Bergwanderung? Ich möchte Sie zu einem gedanklichen Kirchenbesuch einladen.

Stellen Sie sich vor, wir sitzen irgendwo inmitten der Nikodemuskirche und entdecken, in den Ecken links und rechts von uns stehen Figuren der vier Evangelisten und beginnen miteinander und mit uns ein Gespräch, in dem es um das Heiber-Kreuz und das Posse-Altarbild – und um unsere Beziehung und Vorstellung von Karfreitag und Ostern geht.

Markus (Kap 14,50): „Schaut euch dieses Kreuz genau an: Am Ende war Jesus ganz allein. Seine Vertrauten, seine Freunde sind alle aus Angst davongelaufen. Es verkörpert, den Aufschrei des Menschen -wie im Psalm 22 und bei Jesaja 53 zu lesen -: „Warum? Warum? Warum hast Du mich verlassen?“ Keiner von seinen Begleitern war dabei. Sie waren alle geflohen. Es gab also keine Augenzeugen. – Und Frauen hatten damals nichts zu sagen.“

Matthäus (Kap 26 und 27): „Auch ich höre ihn rufen: „WARUM? Warum? Warum hast Du mich verlassen?“ – Einsam und allein ist er an seinem Ende. Sein Sterben schockiert. Warum muss er so enden? Sagt dieser Tod, dass auch Gott weit weg ist? Dass auch Gott am Ende ist?  – Bleibt Glaube nur noch eine Angelegenheit der Frauen, eine Sache der „Fern-Seh-Beteiligung?“

Lukas (Kap 22 und 23): „Seine „Nachfolger“ machen eine ganz schlechte Figur, als es darauf ankommt. Sie sind keine Vorbilder mit Haltung und fester Überzeugung, die zu ihm stehen. Übermächtig die Vollstreckungsgehilfen der Macht. Gnadenlos der Vollzug – und das Urteil: mit Systemkritikern wird wie mit Mördern und Schwerverbrechern verfahren. Doch ganz anders als zu erwarten, klingen die letzten Worte Jesu: nach Vergebung und Frieden! „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! (V. 34)“ – „Wahrlich, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“(V.43) – „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“(V.46)

Johannes (Kap.19): „Ich sehe die Frauen und seinen Freund unter dem Kreuz. Jesus sagt zu ihnen: „Frau, das ist dein Sohn!“ Zum Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter!“ (V.26+27). „Mich dürstet!“(V.28) und „Es ist vollbracht- Das Ziel ist erreicht!“ (V.30). –

31.03.2020

Musik zum 335. Geburtstag von Johann Sebastian Bach

25.3.2020

Heute mit Musik von Kevin Andre – einem Mitglied unseres Holy Night Trios – mit herzlichen Grüßen über den großen Teich in schwierigen Zeiten – es ist unsere Welt – manche werden die Drehorte erkennen – und die Liebe zählt. ( Dank an kevinandremusic !)

https://www.youtube.com/watch?v=lLxkDGIpQhw

Ausgangssperre

ja, es gibt Angst
und Isolation
und Hamsterkäufe
und Krankheit
und sogar Tod
aber…

es heißt, dass man in Wuhan nach so vielen Jahren voller Lärm
wieder Vögel singen hört
es heißt, dass nach ein paar Wochen der Ruhe
der Himmel nicht mehr von Abgasen verdunkelt ist,
sondern blau und grau und klar

es heißt, dass die Menschen in den Straßen von Assisi
einander zusingen
über die leeren Plätze hinweg
und dann ihre Fenster offenlassen,
damit alle, die einsam sind,
um sich herum Familienstimmen hören können

es heißt, dass ein Hotel im Westen von Irland
kostenlose Mahlzeiten an alle liefert,
die nicht mehr aus dem Haus kommen

heute ist ein junge Frau, die ich kenne,
eifrig dabei, in ihrem Viertel
Handzettel mit ihrer Nummer zu verteilen,
damit die Alten jemand haben, auf den sie zählen können

heute bereiten sich Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel vor,
Menschen willkommen zu heißen und zu beherbergen,
die obdachlos, krank oder müde sind

überall auf der Welt schalten Menschen einen Gang zurück und denken nach
überall auf der Welt sehen Menschen ihre Nachbarn ganz neu
überall auf der Welt erwachen die Menschen zu einer neuen Wirklichkeit
und sehen
welche Größe uns wirklich eigen ist
wie wenig wir wirklich im Griff haben
was wirklich wichtig ist
und was die Liebe vermag

So beten wir und erinnern uns
ja, es gibt Angst
aber deswegen muss es noch keinen Hass geben
ja, es gibt Isolation
aber deswegen muss es noch keine Einsamkeit geben
ja, es gibt Hamsterkäufe
aber deswegen muss es noch keine Gemeinheit geben
ja, es gibt Krankheit
aber deswegen muss die Seele noch nicht krank werden
ja, es gibt sogar Tod
aber es kann immer eine Wiedergeburt der Liebe geben

Sei wachsam, welche Wahl du triffst, um jetzt zu leben
atme heute
lausche: hinter dem Fabriklärm deiner Panik
singen die Vögel schon wieder
der Himmel hellt auf, der Frühling kommt
und stets sind wir von Liebe umfangen

Öffne die Fenster deiner Seele
und selbst wenn du niemand quer über den leeren Platz
berühren kannst:
Sing!

By Fr. Richard Hendrick, OFM,13.03.2020
Übersetzung: Ralph Thormählen

22.3.2020.

Die Verse des Liedes „Weißt Du wieviel Sternlein stehen, aus dem Evang. Gesangbuch Nr. 511 kennt fast jede/r. In diesen Tagen bewegen uns umso mehr die Fragen,
was können wir wissen,
was können wir glauben,
was hält und trägt?
Vor der aktuellen Situation bekommen die Verse einen noch viel tieferen Sinn. Viele Menschen suchen und warten gegenwärtig auf Hilfe oder fragen sich, wie es nun damit steht. Dramatisch steigende Zahlen, – auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis machen uns betroffen und konfrontieren uns mit den Grenzen des Machbaren. Wer hilft? Vertrauen kommt mit ganz wenigen, einfachen Worten aus:
„Er kennt auch Dich, und hat Dich lieb!“ Das ist wohl das Entscheidende, das allem, was wir tun und machen können und wo wir an unsere Grenzen stoßen, schon voraus liegt.
Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Armin Langmann

Choral Nr. 5 aus der Johannespassion von Johann Sebastian Bach: Gib uns Geduld in Leidenszeit. https://www.youtube.com/watch?v=xN4eMGU_LBQ
Juventis Jugendchor KAV-G Celle.


http:// www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste
http://www.deutschlandfunk.de/kirchensendungen.915.de.html